STREAM: Bernadette, Banda & Brecht

Das ursprünglich für den 1. Mai im Großen Haus der Volksbühne geplante Konzert musste corona-bedingt ausfallen. Nun schließen sich Volksbühne und HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste für ein digitales Konzert zusammen. Brechtsongs und eigene Stücke über Flucht und Vertreibung, mit Chuzpe und magischer Energie. Kurz: Pop gegen rechts und internationale Blasmusik für alle!

Link Hellerau

Link Volksbühne


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Mit Bertolt Brecht im Flüchtlingsboot

Von Tom Vörös

„Nostalgisch, virtuos, emotional: Die Banda Internationale und die Sängerin Bernadette la Hengst feiern in Dresden die Weltoffenheit.

Man meint zwar, fest im Sessel zu sitzen, doch gleich zu Beginn wird man prompt seekrank. So eindringlich schwappt das minimalistisch- elektronische Intro von der Bühne ins Ohr. Die 13 Musiker der Banda Internationale tragen im Kleinen Haus Dresden demonstrativ gelbe Regenjacken, Sängerin Bernadette la Hengst gar eine rote und der fast ausverkaufte Saal wird am Sonntag gefühlt zum Rettungsboot im Mittelmeer. Wobei man im Laufe des Konzerte nicht mehr genau weiß, ob man zu den Rettern zählt oder eher selbst gerettet werden sollte. Zugleich wird man mit der Brecht-lastigen Musiklesung hineingeworfen in die Flüchtlingswellen der Geschichte.



Klangwellen der Entrüstung

„Schön, dass sie uns dem Tatort vorziehen“, freut sich das Ensemble. Und es lohnt sich durchaus. Denn was die Teilzeit-Straßenband auf der Bühne von sich gibt, darf schmerzfrei als virtuos und berührend bezeichnet werden. Die Besatzung des musikalisch erzeugten Rettungsbootes ist bei hervorragendem Sound dermaßen gut eingespielt, dass die Berliner Sängerin Bernadette la Hengst ihren eigenen Kahn nur noch frank und frei durch das Konzert zu steuern braucht. Und das tut sie teils höchst emotional, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Wahrscheinlich sind es auch jene eigene Alltags-Storys, mit denen eine politisierte Musikwelt für sie zur Selbstverständlichkeit wird: „Meine Tochter wurde kürzlich als Jüdin in einer Berliner U-Bahn beschimpft, nur weil jetzt sie braune statt blonde Haare trägt“, sagt sie. Ihre persönlichen Anliegen für mehr Weltoffenheit spürt man in jedem gesungenen Ton der eigenen Lieder. Und auch in denen eines talentierten Flüchtlings namens Bertolt Brecht. Der Mann ist zwar 1956 gestorben, doch auf der Bühne allgegenwärtig. Nur der Rauch seiner dicken Zigarre hätte gerne noch in die Nase steigen dürfen.



Vom großen Dramatiker, Lyriker und Librettisten Brecht ist an diesem Abend zwar keine Dreigroschenoper zu hören, dafür, wie passend, sind es vor allem Lieder aus der Zeit seines Exils während der Zeit des Nationalsozialismus. Und so verschwimmt die Gegenwart mit Nachkriegsliedern wie „Die Bitten der Kinder“ von 1951, verschwimmen aktuelle Diskussionen über die Deutungshoheit der Geschichte mit den Mitgefühls-Wellen, die mit jedem Ton von der Bühne schallen. Zwischendurch wird im Rampenlicht Wein getrunken und Shisha geraucht. Ein bisschen Hedonismus muss wohl sein, doch die Freiheit im Geiste lässt die langen Instrumentalteile gefühlt berührender, dramatischer und tanzbarer werden. An den Seiten sammeln sich bereits erste euphorisierte Vortänzer, während Bernadette la Hengst von den Flüchtlingserfahrungen ihrer Mutter berichtet und beim eigenen Lied „Mutterland“ per E-Gitarre sogar ein wenig Rock-Feeling aufkommen lässt.






Ende der Sitzblockade

Man erfährt, dass der Tubist Alfred Haberkorn der größte Brecht-Fan der Band ist, und wie Bertold Brecht zum bekanntesten deutschen Autor im arabischen Raum wurde. Und dass der Großenkel jenes nahöstlichen Lyrikers, der einen Großteil dazu beitrug, mit im Publikum sitzt.
Zwischen Mahnen, Motivieren und Balkan-Beats finden sich immer mehr Seitentänzerinnen und -tänzer ein. Lieder wie „Sag nein“ und „Wir sind die Vielen“, die eigene Hymne der letztjährigen Dresdner Unteilbar- Demo, tragen ihr Übriges zur Partystimmung bei. Und spätestens als sich der Beatbox-Virtuose der Banda Internationale wie in Trance Gehör verschafft, ist die Sitzblockade im Saal endgültig aufgehoben."

28.01.20 Sächsische.de

Bernadette, Banda & Brecht

Bernadette, Banda & Brecht

Banda Internationale, die demoerfahrene Blaskapelle, die 2015 durch Dresdner Erstaufnahmelager tourte, um geflüchtete Musiker in die Band aufzunehmen und Bernadette la Hengst, die Pop-Agitations-Chanteuse aus Berlin kennen sich von diversen Demos und Aktionen gegen Pegida, Höcke und Konsorten.

Dabei hatten beide stets die Utopie eines kosmopolitischen Miteinanders vor Augen, brachten Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen und arbeiteten an den Gemeinsamkeiten: Vielfalt statt Leitkultur und ein Miteinander statt Zorn und Enttäuschung.

Flucht und Vertreibung ist ein Phänomen, so alt wie die Menschheit selbst.

Niemand verlässt leichtfertig seine Heimat, seine Sprache, seine Kultur.

Auch Bertolt Brecht, dem Dichter und Stückeschreiber aus Augsburg fiel es schwer, seine Heimat und damit auch seinen Sprachraum zu verlassen.





Seine Schriften sind voll des Schmerzes über das Exil und der Schande seiner deutschen Herkunft:


"O Deutschland, bleiche Mutter!
Wie sitzest du besudelt
Unter den Völkern.
Unter den Befleckten
Fällst Du auf."
B.B.


Banda und Bernadette werden sich jetzt diesen Brecht mal vorknöpfen.

Werden ihn mit- und gegen den Strich bürsten und auch mal seine grauslige Zigarre gegen eine ordentliche Shisha tauschen.

Dabei geht es durchaus tanzbar und mit einer Menge Groove auf der Bühne zur Sache!

Auch eigene Songs von Bernadette und der Banda Internationale berauschen in dieser energievollen Band-Konstellation.


Kurz: Pop gegen Rechts und internationale Blasmusik für alle!


Banda Internationale:
www.bandacomunale.de/

Bernadette La Hengst:
www.lahengst.com

TRIKONT
www.trikont.de

Ausgezeichnet

AUSGEZEICHNET

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Banda Internationale macht vielen Menschen Mut – den Refugees, aber auch den Dresdnern, Sachsen und Deutschen, die sich für eine Willkommenskultur stark machen und einsetzen.

Dies erkannte auch die Bundesregierung an.

Banda Internationale gehörte zu den im Mai 2016 von Kulturstaatsministerin Monika Grütters für den neuen
„Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen“ Nominierten und erhielt den 1. Preis.

Darüber hinaus wurde die Banda Internationale mit weiteren Preisen ausgezeichnet:
- dem
„Sächsischen Förderpreis für Demokratie“,
- dem
„Sächsischen Preis für Soziokulturelles Engagement“
- und als
„Ausgezeichneter Ort in Deutschland, Land der Ideen“ durch die Deutsche Bank. 

Im Februar 2017 erhielt das Kollektiv den
„Deutschen Förderpreis für Weltmusik“ und 2017 den mit 50.000,00 Euro dotierten Preis „Power of Arts“ der Initiative „Netzwerk Junge Ohren“ und der Phillip Morris GmbH. 

Im Dezember 2017 bekamen wir den  
„EuroMed Dialogue Award 2017“ der Anna Lindh Foundation, der uns in  Tallinn von der Bürgermeisterin der Gemeinde Lampedusa, Guiseppina Maria Nicolini, überreicht wurde. Aus 650 Bewerbungen der 42 Netzwerkstaaten gehörten wir zu den drei nominierten Projekten.

Zum Ende des Projektsjahres 2019 würdigte uns die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und das Bündnis für Demokratie und Toleranz - BfDT mit einer
Auszeichnung und einem Preisgeld von 2.000€.

Seit 2016 betreiben wir geförderte Musikprojekte im Rahmen der
Integrativen Maßnahmen des Freistaates Sachsen.

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Über die Banda Internationale...



BANDA COMUNALE ist BANDA INTERNATIONALE

Die elfköpfige Brass-Band „Banda Comunale“ hat sich 2015 um geflohene Musiker zur „Banda Internationale“ erweitert. Gemeinsam entstauben sie in Dresden die deutsche Volksmusik und andere Vorurteile.

Nach über 40 Konzerten gegen PEGIDA, gegen „Nein-zum-Heim“-Initiativen und für geflüchtete Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen hat die "Banda Comunale" beschlossen, dass sie einen Schritt weitergehen wollen: Unter den Geflüchteten musste es doch auch Musiker geben – Menschen wie sie selbst, die ohne ihr Instrument, ohne den Austausch mit Anderen und ohne das tägliche Üben einfach nicht sein können. Und sie hatten sich nicht geirrt: Musiker aus Syrien, Irak, Burkina Faso, Polen, Russland, Bayern und Deutschland gehören inzwischen fest zum Projekt: Der "Banda Internationale“.


Sozio-kulturelles Engagement war und ist die Grundlage der Kernformation „Banda Comunale“, die aus professionellen Musikern und Amateuren seit 2001 besteht. Die aktive und verantwortungsvolle Teilhabe an dem, was in ihrem Viertel, ihrer Stadt und darüber hinaus passiert, das Einstehen für Werte und Traditionen wie Weltoffenheit, Internationalisierung und Integration sowie ein entschiedenes Auftreten gegen rechte und neurechte Bestrebungen in Sachsen und Deutschland beschreiben die Grundfeste und Überzeugungen, die die „Banda Comunale“ seit dem Sommer 2015 nahezu zwangsläufig zur „Internationale“ werden ließen. 

Nach zahlreichen Beteiligungen an Demonstrationen und Veranstaltungen gegen PEGIDA in Dresden seit dem Winter 2014/15, engagierte sich die Band unermüdlich für eine Willkommenskultur und spielte u.a. zahlreiche Konzerte in Erstaufnahmeeinrichtungen. Hier entstand im Sommer 2015 die Idee eines längerfristigen Projektes mit geflüchteten Musikern. 

Das mittlerweile fast 20-köpfige Kollektiv mit Musikern aus Syrien, Palästina, Burkina-Faso, Iran und dem Irak hat seit Projektbeginn 2015 zahlreiche Preise gewonnen und mehr als 400 Konzerte in Dresden, in Sachsen und Deutschland gespielt. Großes, gemeinsames Ziel war es Heimatmusik neu zu interpretieren, Herzen zu öffnen, Vorurteile und Ressentiments abbauen zu helfen und zur Verständigung zwischen neuen und alteingesessenen Sachsen, Deutschen, Europäern beizutragen.

Regional, überregional und gar außerhalb Deutschlands wird das Projekt von einem immer größer werdenden Publikum verfolgt, zahlreiche Berichte in der Presse haben über den Modellcharakter der „Banda Internationale“ berichtet und deutlich gemacht, dass Musik ein Schlüssel zur Integration ist – auch und vielleicht gerade in Dresden. 

Durch Kooperationen mit den Landesbühnen Sachsen, der Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“, der Philharmonie Dresden, dem Staatsschauspiel Dresden und namhaften Musikern wie Sting, BAP, Jan Vogler und Konstantin Wecker sammelten die geflüchteten Musikerkollegen vielfältige Erfahrungen und etablierten sich als professionelle und gefragte Musiker in ihrer neuen Heimat.



BANDA COMUNALE is BANDA INTERNATIONALE

Banda Internationale is a collective of refugee and non-refugee musicians. They are united by the desire to change the existing conditions in Saxony, especially those in Dresden. They believe that prejudices should be dismantled and replaced with bridges between cultures, religions, and ethnicities. Through their music, they doing their best to help integration succeed and a more open Saxony to emerge.

In the early fall of 2015, the musicians of “Banda Comunale,” a brass band that formed in Dresden 15 years ago, began to look for musicians among the refugees arriving in the city, and they created a new constellation: Banda Internationale.  Together, they are re-interpreting the concept of “folk music” by broadening their repertoire to include the music of the homelands of all of the participants. In weekly rehearsals, the musicians have worked together to arrange musical numbers – leading to a CD recording in the fall of 2016 and a German concert tour. The band has played more than 300 concerts together, and in 2017, the collective launched a project called “The Kids Are Alright.” For this project, the long-time and new members of the band hold workshops at Saxon schools; they have also started a band with unaccompanied refugee minors. 

The success of the band and the enthusiasm with which they have been received by audiences is not surprising (everyone loves good music); what is truly remarkable about the project is the dedication of the musicians to the band. All of the initial members, as well as many of the new members, have day jobs. Despite the demands of work, family, learning the German language, and navigating German bureaucracy, they all generously give their time to their music, to each other, their community in Dresden, and to their audiences all over Germany.

Banda Internationale was nominated by the German Minister of Culture Monika Grütters for the new “Special Prize for Projects on the Cultural Participation of Refugees” in May 2016 and awarded first prize. Further, Banda Internationale has been awarded with the “Saxon Prize for Democracy,” “the Saxon Prize for Socio-Cultural Engagement“, and distinguished as an “Excellent Site in Germany, Land of Ideas” by the Deutsche Bank. In 2017, the collective received the “German Prize for World Music”, and was awarded 50,000 Euros with the “Power of Arts” prize from the initiative “Network for Young Ears” and the Philip Morris corporation. In December of 2017, they received the “EuroMed Dialogue Award 2017“ from the Anna Lindh Foundation, which was presented in Tallinn to them by mayor of Lampedusa, Guiseppina Maria Nicolini. 

Offene Gesellschaft

Welcome to the Hotel Leonardo

WELCOME TO THE HOTEL LEONARDO

„Auf die Straße Leute, wehrt euch“, schrieb Lutz Bachmann im Juni 2015 und mobilisierte so Hunderte, sich vor dem Hotel Leonardo im sächsischen Freital zu versammeln. Ein leerstehendes Hotel am Rande einer beschaulichen Wohnsiedlung, das kurzfristig zu einer Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete umfunktioniert worden war, wurde über Nacht zum Synonym für den Willen des selbsternannten Volkes: „Ausländer raus“, „Weg mit dem Dreck“ und „Wir wollen euch hängen sehen“. Clausnitz, Heidenau, Bautzen und unzählige andere folgten.

Wir verlegten unsere Probe und antworteten mit Blasmusik und Konfetti.

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An diesem Abend vor dem Hotel Leonardo, der von Verzweiflung, Wut, Trauer aber auch unbändiger Freude über die gemeinsame Begegnung bei unserem Stegreifkonzert geprägt war, wurde uns als Banda Comunale bewusst, dass wir als gewachsene Band durchaus über mehr Möglichkeiten verfügen, diesen heftigen Diskurs der Annäherung und Anpassung zu begleiten und aktiv mitzugestalten. Unsere gesellschaftliche Teilhabe, politisch wie kulturell, hatte sich nicht darin erschöpft, auf No Pegida-Demonstrationen zu spielen, war uns aber als Mittel im Kontext der erstarkenden rechten Bewegungen zu wenig. Wir wollten das Rad wieder selbst drehen, die negativen und deprimierenden Erfahrungen der kläglichen Protestkultur in etwas Positives wenden und zwar mit dem, was wir können, also vor allem mit unserer Musik. Geflüchteten Musikern eine erste Anlaufstelle, ein Projekt, ein gemeinsames Ziel eröffnen; eine transkulturelle  Band, die nicht nur Lieder und Melodien der ganzen Welt in ihrem Repertoire aufgreift, sondern ebenjene Musiker aus diesen Ländern aufnimmt und ihnen hilft, hier Fuß zu fassen.

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Wir haben uns Unterstützer und Partner gesucht, Förderanträge geschrieben, Flyer verteilt, Poster geklebt und sind mit spontanen Konzerten durch die hastig errichteten Camps und Notunterkünfte in Dresden und dem Umland gezogen.

Schon im Oktober haben wir uns mit den ersten „Newcomern“ im Probenraum getroffen. Gleich am Anfang lernten wir Qutaiba kennen, einen palästinensisch-stämmigen Informatikstudenten aus Syrien, der in Yarmuk-Camp (einem Stadtteil von Damaskus, der seit Jahrzehnten vorrangig von Flüchtlingen aus Palästina bewohnt wird und sehr unter den Folgen des Bürgerkriegs in Syrien zu leiden hatte) Snare-Drum in einer Marchingband gespielt hat. Thabet, der virtuos die Oud spielt, ebenfalls aus Syrien stammt und hoffte, hier in Deutschland endlich sein Medizinstudium fortsetzen zu können. Muhammad, ein weiterer Oudist und Mediziner aus Syrien, der bereits seit drei Jahren in Dresden lebt und arbeitet. Und Ahmad, dem unglaublichen Riq-Trommler, dem wir in der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Nöthnitzer Straße begegnet waren.
 Der erste gemeinsame Song, den wir schon seit Jahren im Programm hatten, und den die Jungs aus Syrien auf Anhieb mitspielen konnten, hat die erste, und danach noch viele weitere Brücken geschlagen: „Ya Rayah“ (Oh Auswanderer) – ein algerischer Superhit und in der gesamten arabischen Welt bekannt.


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In den nächsten Wochen kamen immer mehr Musiker dazu: Akram, Cellist des Jugendsinfonieorchesters Bagdad, Danial, der in Syrien in einer christlichen Gemeinde Trompete gelernt hatte, Shadi, Friseur und Sänger in einem Grand Hotel in Damaskus, Hamid, der wegen seiner Vorliebe für Heavy Metal-Gitarre aus dem Iran fliehen musste, Masoud, ein kurdischer Perkussionist und Rapper, Ezé, Singer-Songwriter und Drummer aus Burkina Faso, der an der TU-Dresden Germanistik studiert, der Geiger Karzan aus dem Kurdengebiet im Irak und Al Hasan, der Kanoun-Surfer und Nervendoktor aus Damaskus.

Woche für Woche haben wir miteinander geprobt, uns gegenseitig neue und alte Lieblingslieder beigebracht, ein Programm entwickelt. Und von Anfang an haben wir vor Publikum gespielt, vor Alteingesessenen und natürlich auch denen, die neu dazu gekommen waren. Immer wieder in Dresden und Sachsen, wo uns das gesellschaftliche Klima und die Vermittlung zwischen den Kulturen besonders am Herzen liegen: Im Montagscafé und in der Reihe „Musik zwischen den Welten“ am Staatsschauspiel Dresden, vor über 2000 Menschen beim Begegnungsfest „Meet new friends“ im Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, auf der Demonstration von „Herz statt Hetze“ im Rahmen des Protests gegen Pegidas Forderung nach einer „Festung Europa“, in der Erstaufnahmeeinrichtung in Meißen für Geflüchtete, für DRK-MitarbeiterInnen und ehrenamtliche HelferInnen, für die Flüchtlingshilfe in Plauen, mit Annamateur beim „Büro für Ordnung und Chaos“ in der Dresdner Scheune.


Im Frühjahr 2016 war dann klar, die Banda Internationale ist Sachsens Exportschlager in punkto gelebte Integration im Freistaat. Wir wurden bundesweit eingeladen und angefragt. Vom Oberammergauer „Heimatsound Festival“ zur „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen den Rechtsruck“-Tour der Band „Feine Sahne Fischfilet“ oder zur Eröffnung der Initiative „Kultur öffnet Welten“ in Berlin, wo unser Projekt mit dem von Kulturstaatsministerin Monika Grütters ausgelobten Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen ausgezeichnet wurde, waren wir dabei.


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Insgesamt haben wir gemeinsam mittlerweile an die 400 Konzerte und Demonstrationen gespielt. Dabei haben sich tiefe Freundschaften entwickelt. Wir haben mit unseren neuen Bandkollegen alle Stationen ihrer Ankunft in der deutschen Gesellschaft erfahren. Arztbesuche, Deutschkurse, Unterbringung, und immer wieder Anträge, Anträge, Anträge. Dann endlich die Anerkennung ihrer Asylverfahren, Familienzusammenführungen, erste eigene Wohnungen, noch viel mehr Papierkram und sogar Bewerbungen und Studienplätze. Wir haben Dramen miteinander durchlebt, als es so aussah, als sollte ein Bandmitglied abgeschoben werden, Erfolge gefeiert, als wir erreicht haben, dass Brüder wieder zusammen in einer Stadt leben können.

Eines wissen wir nach fünf verrückten, turbulenten und auch anstrengenden Jahren ganz sicher: Wir sind und wollen kein Paradeprojekt für gelungene Integration und soziokulturelle Teilhabe mehr sein, denn wir sind schon einen ganzen Schritt weiter: Wir sind eine tighte, laute Band mit spannenden Ideen und konkreten Visionen.

Ya Rayah, der Song über den Auswanderer, zu dem auf so vielen Konzerten in diesem Jahr Geflüchtete und Sachsen ausgelassen miteinander getanzt haben, beginnt frei übersetzt etwa so: „Oh Auswanderer, wo willst du hin? Am Ende musst du doch bloß wieder heim. So viele Blauäugige haben diese Entscheidung schon vor mir und dir bereut“. – Die meisten unserer neuen Musiker wollten damals nicht „irgendwo hin“, sondern mussten vor allem erst mal „irgendwo weg“.

Dass sie es jetzt nach vielen beschwerlichen Monaten trotzdem geschafft  haben „irgendwo anzukommen“, ist eigentlich das Schönste, was wir nach diesen Jahren vorzuweisen haben!


Besetzung:

LIVE ON STAGE:

Akram Younus Ramadhan Al-Siraj - Cello
Thabet Azzawi - Oud
Ezekiel Wendtoin - Gitarre, Gesang, Schlagzeug, Percussion
Germi Riess - Trompete, Flügelhorn
Alexander Valnov - Trompete, Flügelhorn
Arystan Petzold - Trompete, Beatbox
Michal Tomaszewski - Klarinette, el. Kalimba
Richard Ebert - Tenorsaxophon, Querflöte
Julian Loehr - Alt- & Baritonsaxophon
Martin Schulze - Posaune
Felix Korte - Posaune
Alfred Haberkorn - Helikon
Peter Birkenhauer - Sousaphon
Arne Müller - Schlagzeug
Krishan Zeigner - Schlagzeug
Qutaiba Abu Rashed - Snare Drum
Sebastian Tomaszewski - el. Gitarre
Christian Stolz - el. Gitarre



Banda Internationale erhält Förderung



Wir freuen uns außerordentlich Euch mitteilen zu können, daß unser Förderantrag des Projektes
„Come As You Are“ bei der SAB im Rahmen der Integrativen Maßnahmen des Freistaats Sachsen für das kommende Jahr in vollem Umfang bewilligt wurde!

Gemeinsam mit unserem Trägerverein, dem
Ausländerrat Dresden e.V., und mit der Unterstützung der Amadeu-Antonio-Stiftung können wir in diesem Jahr unser musikpädagogisches Engagement erweitern und einen Schritt weiter gehen: wir werden über 20 Schulen im sächsischen Umland besuchen, mit einigen feste Kooperationen eingehen und ein neues Bandprojekt mit minderjährigen Geflüchteten aufziehen.


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In den vergangenen zwei Jahren haben wir bereits über 60 Workshops an sächsischen Bildungseinrichtungen gegeben...Kitas, Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien, Berufsschulen. Neben unserem Band-Alltag, der neben unserem Arbeitsalltag läuft. Wir haben hunderte Kilometer auf Sachsens Straßen zurückgelegt, mussten manchmal schon um 4:00 los, waren oft den ganzen Tag unterwegs. Daneben haben wir die Kangaroo Band mit unbegleiteten jugendlichen Geflüchteten in Leben gerufen, die im Dezember ihre erste Platte aufnehmen konnte!

Ja, wie so viele andere auch, haben auch wir unseren Alltag auf die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Sachsen und Deutschland längerfristig ausgerichtet.

Die Förderung durch die Integrativen Maßnahmen des Freistaats Sachsen und der Einsatz unseres Preises des
The Power of the Arts haben fast 4.000 Schülerinnen und Schülern zu richtig gutem Krach verholfen! Bei unserem Träger, dem Ausländerrat Dresden, ermöglichte das Projekt eine volle Stelle.

Zum Ende des Projektsjahres würdigte uns die
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und das Bündnis für Demokratie und Toleranz - BfDT mit einer Auszeichnung und einem Preisgeld von 2.000€

Für viele von uns ist die Arbeit an Schulen nicht mehr wegzudenken. Manche, die 2015 als Geflüchtete in die Band kamen, lernen oder studieren nun pädagogische Fächer und wollen mit demokratischem und musikalischem Engagement ihren Lebensunterhalt auch in Zukunft bestreiten.

Auch das war unsere Konsequenz aus Pegida, AfD, Fremdenfeidlichkeit, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus in Sachsen:

The Kids Are Alright!


Hier unsere Videodokumentation vieler bisheriger Workshops:
http://bit.ly/2PxFPKV


"In unserer sächsischen Gesellschaft, die zwischen Internationalisierung in Wirtschaft, Bildung und Kultur sowie lokalen Rückzugstendenzen schwankt, dürfen demokratische Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität sowie Toleranz nicht zur Disposition gestellt werden. Es gilt, Globales und Lokales nicht getrennt voneinander zu denken und diese freiheitlichen Werte Kindern und Jugendlichen vor allem in der Schule und in Jugendzentren verstärkt zu vermitteln.

Das Projekt „
Come As You Are“ der Banda Internationale hat zum Ziel, gleichberechtigte Teilhabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationsgeschichte, insbesondere Fluchterfahrung, am gesellschaftlichen Leben in Sachsen zu fördern und zu verbessern, dabei einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und Rassismus gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichte zu leisten und den Zusammenhalt zwischen alteingesessenen und zugewanderten Bürger*innen in einer vielfältigen Gesellschaft zu stärken.

Das Projekt wird sachsenweit stattfinden. Besonderer Fokus liegt auf dem ländlichen Raum. Vorrangig sollen Grund- und Mittelschulen von den Maßnahmen profitieren."